Konzert

So 16.11.1997 | Einlass ab | Konzertbeginn

Youthu Yindy

Von Zuckerguß umhüllt

Yothu Yindi nochmals im LKA


Wenn das kein Spagat ist. „Du hörst besser auf die Stimme deines Stammes", heißt es in einem Lied von Yothu Yindi. So etwas will der postindustriell verunsicherte Stuttgar­ter zum Ausgang des 20. Jahrhunderts von seiner liebsten Aborigines-Band vernehmen. ´Ein paar Stücke später jedoch erfährt der Zu­schauer Näheres über die Kommunikations­kanäle australischer Ureinwohner: „Ich ha­be es im Radio gehört, und ich habe es im Fernsehen gesehen", so singt der Ureinwoh­ner. Und wo, bitte schön, bleiben da die my­stischen Versammlungen im Wüstensand?

Yothu Yindi machen es den Ethno-Puri-sten nicht gerade einfach. Die uralte Aborigines Kultur präsentieren sie in modernem, keyboardverliebtem Klanggewand, die musi­kalische Tradition erscheint umhüllt von poppigem Zuckerguß. Und wären da nicht die beiden martialisch bemalten Herren mit Klanghblzern und Digeridoo, würde nicht Mandawuy Yunupingu zwischen all den eng­lischen Liedzeilen auch einige in der Stam­messprache Gumatj einstreuen, dann könnte man Yothu Yindi tatsächlich für eine ganz ge­wöhnliche Popgruppe aus London, Los Angeles oder Ludwigsburg halten. Für eine jener Gruppen, die mit einer leicht verdaulichen Mischung aus Soul, Funk und Reggae hüb­sche Melodien vorantreiben, denen sie mit geschickt eingesetzten Chören gar etwas Unwirklich-Hymnisches einhauchen. Der Stöckchenmann schlägt, aber gelegentlich läßt ihn seine visuelle, fast dramatische Prä­senz ebenbürtig neben dem Sänger tanzen.
Dessen Stimme wiederum klingt noch rau­her als beim letzten Mal und tastet sich so verdächtig nahe an das Schnarren der Digeridoos heran. Und das bedrohlich tönende Blasrohr beherrscht, allem Keyboard gesäu-sei zum Trotz, immer noch den Sound von Yothu Yindi. Bereits im März hat die Gruppe mit ihrer fein ausgeklügelten Kulturmelange das LKA beschallt, jetzt ist sie anläßlich des Bundespresseballs nach Deutschland zu­rückgekehrt und hat, quasi nebenbei, gleich noch mal in Wangen aufgespielt. Außer ei­nem frisch komponierten Lied namens „One Blood" gab es zwar wenig Neues zu hören, das alte Programm jedoch hat von seiner Fas­zination nichts eingebüßt. Auch das zeichnet eine gelungene Kür aus. Michael Werner stuttgarter zeitung 18.11.1997