Konzert

Mi 05.11.1997 | Einlass ab | Konzertbeginn

Tower Of Power

Munteres Musizieren Tower Of Power im LKA

Das TOP-Gebläse hat ja schon Elton John, Rod Stewart, Michael Bolton und vielen an­deren Popstars Druck gemacht. Als Studio­formation sind die fünf Herren souverän und haben wahrlich schon gezeigt, daß sie von Tu­ten und Blasen eine Ahnung haben. Als Teil der kompletten Band Tower Of Power sind sie neunundzwanzig Jahre hindurch für ei­nen typischen Sound mitverantwortlich ge­wesen, der die Klischees des frühen Soul und Funk so geschickt verarbeitet hat, daß die ei­gene Handschrift stets zu erkennen war. Die­se spitz synkopierten Akzente überall, diese schmatzende Orgel, die Funky-Kratz-Gitar­re und dazu die zuckenden A-Baß-Linien prägten über alle personellen Wechsel hin­weg ein Markenzeichen, das offenbar heute noch seine Anziehungskraft hat, zumindest auf die etwas gesetzteren Genießer popmusi­kalischer Feinkost. Das LKA jedenfalls war beim Tower Of Power-Konzert gut besucht, doch eng wurden die Räume nur auf der Bühne: Vorne die brei­te Bläser-Phalanx, hinten die vierköpfige Rhythmusabteilung und dazwischen munter einherspringend der Sänger Brent Carter, der sich zwar jederzeit als begabte Nach­wuchskraft profilieren konnte, ansonsten aber nichts wirklich Herausragendes zum munteren Musizieren beitrug.

Ihren speziellen Spielwitz entfaltete die Band nämlich hauptsächlich durch die Art, wie sie mit dem Rhythmus umging, wie sie kurze und unglaublich präzise Bläserstöße ins brodelnde Soulfunk-Fundament schick­ te, wie sie die Synkopen hüpfen ließ und mit Vorhalten spielte. Eine Art Willy Millowitsch des Saxophons gab dabei TOP-Gründungsmitglied Steve Kupka, der mit einer Kombination aus äußerlicher Behäbigkeit und musikalischem Temperament verblüff­te. Fürs Auge war sonst nicht allzuviel gebo­ten, fürs Ohr um so mehr. „What is hip?" fragt ein bekannter TOP-Titel. Hip ist die Band schon lange nicht mehr, aber gut, sehr gut sogar ist sie live immer noch.

üb stuttgarter zeitung 07.11.1997