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Mo 09.06.1997 | Uhr

Helmet

Bulldozer-Eleganz
Der Metal-Vierer Helmet im LKA

Das erste Stück absolvieren Helmet im LKA noch mit der Eleganz eines gut gefe­derten Bulldozers. Die Rhythmusabteilung mit Henry Bogdan und John Stanier lie­fert klare und sogar leicht groovende Vor­gaben, in die die beiden Gitarristen äu­ßerst trockene Riffs sägen. Vielleicht ist es ja so, daß hier die Phantasie des Hörers noch ihren Raum hat, daß Akkorde trotz aller massiven Durchschlagskraft noch eine Form von Vielschichtigkeit bergen, die erkannt sein will: ein Konzept, mit dem Heimet als „Thinking man´s Metall-Band für Intellektuelle" vor acht Jahren aus New Yorks Underground zu ausgedehnten Welttourneen und respek­tablen Plattenverkäufen emporstiegen. Aus Hardcore und Metal eine musikali­sche Grundsubstanz zu destillieren, sie mit Elementen des Jazz oder anderer filigraner Musizierweisen reagieren zu lassen und damit ein neues Edelmetal zu generieren, dies schien ihr ureigenes Experiment. Auf ihrer vorletzten CD „Betty" zeitigte die Methode noch interessante Ergebnisse.
Doch beim Konzert im LKA scheinen Helmet nach ihrem verheißungsvollen Auftakt auf die breite Hauptstraße eines
alltagsgrauen Thrash-Metal einbiegen zu wollen: Helmet-Kopf Page Hamilton läßt dazu sämtliche Luft aus den Zwischenräu-rnen seiner vom Gerüst her sauber struk­turierten Songs, um sie mit nahezu unge­filtertem Krach zu füllen, Co-Gitarrist Chris Taynor, der den zu Biohazard abge­wanderten Rob Echeverria ersetzt hat be­gleitet den Chef dabei allzu folgsam und vermag keine eigenen Akzente zu setzen. Als international konkurrenzfähige Metalband präsentieren sich Heimet auf diese
Weise. Das außergewöhnliche Format frei­lich haben sie verloren.

Üb
stuttgarter-zeitung 11.06.1997